Menschen befinden sich ständig in einem Veränderungsprozess. Sie verändern ihr Verhalten, ihre Einstellungen und Haltungen. Für den einzelnen Menschen selbst ist dieser Prozess meistens nicht wahrnehmbar, er läuft automatisch und unbewusst ab, etwa so wie die Bewegungsabläufe oder das Atmen. Eine Veränderung ist dann plötzlich einfach da, ohne dass eine Vorbereitung oder eine Anstrengung erforderlich war.

Beispiele:

Bei der Entwicklung des Kindes zum Erwachsenen ist bei weitem nicht alles von den Genen bestimmt, sehr viele Entwicklungsschritte vollzieht das Kind und der jugendliche Mensch dabei als eigene, individuell gesteuerte Veränderung.
Erwachsene Menschen entwickeln sich, wenn die berufliche oder private Umwelt sich verändert. Die Lebensumwelt des Menschen hat sich in den vergangenen 100 Jahren stärker verändert als in Jahrmillionen davor. Und dieser Prozess läuft weiter, die äußere Welt verändert sich gegenwärtig schneller als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Und der einzelne Mensch vollzieht diese äußeren Veränderungen nach, weil es für sein wirtschaftliches, soziales und biologisches Überleben notwendig ist.
Ein drittes Beispiel ist die Reaktion eines Menschen auf unglückliche Ereignisse, etwa Kriegsereignisse oder schwere Unfälle. Bei vielen Betroffenen haben diese zur Folge, dass sie ein neues Leben beginnen, dass sich grundlegend vom vorherigen unterscheidet.

Das zeigt, dass die Fähigkeit des Menschen, sich zu verändern, unermesslich groß ist. Das gilt im Übrigen auch für Gruppen, Organisationen und Gesellschaften. Bei diesen verläuft der Veränderungsprozess nur langsamer und er ist meistens von heftigen Konflikten begleitet.

Hindernisse bei Veränderungsprozessen

Manchmal allerdings sind Menschen in bestimmten Lebenssituationen nicht zu Veränderungen in der Lage. Sie bleiben in ihrem Verhalten, in ihrer Einstellung und Haltung unbeweglich, in einzelnen Fällen geradezu starr. Sie sind dann nicht in der Lage, sich angemessen in der Situation zu verhalten. Wenn es sich um eine wichtige und wiederkehrende Lebenssituation handelt, kann dieser Zustand der Blockade für Veränderungen auch von Krankheit begleitet sein.

Auch dieser Prozess der Blockierung von Veränderung läuft automatisch ab und ist für den betroffenen Menschen nicht bewusst. Er sieht sich auf Grund vieler rationaler Argumente im Recht und besteht darauf, so zu bleiben wie er ist, auch wenn es mit vielen problematischen Konsequenzen verbunden ist. Er nimmt dann u.U. auch in Kauf, dass es zu einem wirtschaftlichen und/oder sozialen Abstieg kommt oder dass sich als Begleiterscheinung eine chronische Krankheit einstellt.

Das kann ein schwieriges Kapitel sein. Denn der Mensch ist in so einem Fall für Einflüsse von außen nicht zugänglich, mögen sie noch so gut gemeint sein. Er ist gefangen in einem Muster, das ihm für eine bestimmte Lebenssituation nur eine bestimmte Reaktionsweise erlaubt. Manchmal hat sich – familiensystemisch betrachtet - dieses Muster schon in seiner Familiengeschichte bei den Eltern und Großeltern usw. aufgebaut und er hat es als Nachkomme „geerbt“ so wie er die blauen Augen seiner Großmutter geerbt hat. Wahrscheinlich hat sich dieses Muster in der Vergangenheit vielfach bewährt, so dass es den Beteiligten erscheint, dass es keinen Veränderungsbedarf geben kann.

Beispiele

    Im geschäftlichen Bereich kommt es vor, dass die Eltern und Großeltern einen Betrieb aufgebaut und erfolgreich geführt haben. Die erwachsenen Kinder sollen den Betrieb übernehmen, auch wenn deren Begabungen und Interessen auf ganz anderen Feldern liegen. Oder, wenn sie ihn dann doch übernehmen, sollen sie in ohne wesentliche Veränderung, ohne Modernisierung oder Anpassung an den neuen Markt weiter führen. Daraus kann sich für die erwachsenen Kinder eine schwere Last ergeben.
    Im privaten Leben kann es sein, dass sich in einer Familie im Laufe der Geschichte bestimmte Familienrollen herausgebildet haben. Es kommt vor, das in einer Familie die Großmutter und die Mutter die dominierende Rolle inne haben und der Großvater und der Vater eher zurückhaltend und nachgiebig sind. Daraus kann eine Gesetzmäßigkeit entstanden sein, der sich auch die Tochter und der Sohn nur schwer entziehen können.

Hilfe zur Gestaltung von Veränderungsprozessen

Wenn solche Hindernisse bezüglich Veränderung bestehen, ist es für die Betroffenen sehr schwierig, sich aus eigener Kraft darüber hinweg zu setzen. Wie schon oben beschrieben sind diese verhinderten Veränderungen ebenso automatisch und unbewusst wie die alltäglich sich erfolgreich vollziehenden Entwicklungen. In diesem Fall kann eine externe Unterstützung vor allem durch systemisch kundige Fachleute hilfreich sein.

Im Juni 2013              Johann Schweißgut

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Veränderungsprozesse