Jungen werden im Kindergarten und in der Schule erheblich häufiger als verhaltensgestört oder entwicklungsgestört oder psychisch krank eingeschätzt als Mädchen.

Das hat sehr viel damit zu tun, dass Jungen in diesen Einrichtungen seit vielen Jahren ein einseitiges Angebot hinsichtlich ihrer Geschlechtsrolle erhalten.

Jungen leben im Kindergarten und in der Schule in einem weitgehend „weiblichen“ Umfeld. Es gibt so gut wie keine männlichen Erzieher und nur wenige männliche Grundschullehrer. Das Umfeld eignet sich für die Entwicklung von Mädchen erheblich besser als für Jungen.

In diesem Umfeld wird häufig typisch jungenhaftes Verhalten als störend empfunden. Starker Bewegungsdrang, Aggressivität, Konfliktbereitschaft, Widerspruch u.a. werden sanktioniert. Erzieher und Lehrer haben kaum geeignete Möglichkeiten, diese Verhaltensweise in den pädagogische Alltag zu integrieren. Nicht selten wird dann von den hilflosen Eltern eine ärztliche Untersuchung veranlasst mit der Folge, dass das Kind eine Diagnose wie „ADS“ oder „ADHS“ oder „Störung im Sozialverhalten“ erhält. Das Kind erhält dann Medikamente oder es werden andere therapeutische Maßnahmen eingeleitet. Damit ist dann aber auch die Problemschiene für den weiteren Werdegang in der Schule gelegt.

In der Pubertät kann sich sich die Lage für die Jungen noch verschärfen. In dieser Phase bildet sich ihre männliche Geschlechtsrolle konkret heraus. Nach ihren Vorerfahrung in Kindergarten und Schule ist für sie „jungenhaft“ oder „männlich“ negativ bewertet. Es fehlen Experimentierräume, in denen sie neue Erfahrungen machen können und ihr Verhalten neu ausprobieren können. Die Jungen finden wenig Unterstützendes in Ihrer Umwelt für die Entwicklung ihrer männlichen Rolle.

In dieser Phase eskalieren die Entwicklungen häufig. Die Jungen verhalten sich aggressiv, rebellisch, grenzüberschreitend bis hin zu kriminellem Verhalten, oder sie gehen in die Krankheit wie Depression, psychosomatische Symptome u.a..

Insgesamt sprechen wir hier von ca 30% der männlichen Kinder und Jugendlichen.

Also:  Jungen brauchen positive männliche Modelle, Jungen brauchen zuallererst ihren Vater.

Sie brauchen ihn,

weil er aus eigener Erfahrung und besser als die Mutter und die weiblichen Profis weiß, was z. B. Bewegungsdrang, Aggressivität und Konfliktbereitschaft ist und wie man damit umgehen kann;

weil er besser als jeder andere Mensch dafür Vertrauensperson sein kann,

weil er dem Sohn den Rücken stärken und in aufbauen kann,

weil er den Sohn mit seiner freundlichen und souveränen Präsenz im Kindergarten und in der Schule schützen kann.

Deshalb: Männer, wann haben Sie zuletzt mit Ihrem Sohn gesprochen?

Im Juni 2013 Johann Schweißgut, Diplom-Psychologe

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Väter und Söhne