Führen kann man nicht lernen, es ist eine Sache der Persönlichkeit

 

Die Rahmenbedingungen

Den meisten deutschen Wirtschaftsbetrieben geht es gut trotz internationaler Finanz- und Wirtschaftskrise und weggebrochener Märkte in Europa. Das hat sicher nicht nur - wie häufig geschrieben wird - mit der politischen Agenda 2010 und der damit gestiegenen Produktivität zu tun. Sehr wahrscheinlich trägt auch die Struktur und das attraktive Angebot der deutschen Wirtschaft entscheidend zu diesem Erfolg bei: Mit vielen gesunden mittelständischen und Groß-Unternehmen und Produkten z.B. im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Autoindustrie.

Alle diese Unternehmungen werden von Menschen gesteuert, die Führungsverantwortung übernommen haben – von den Führungskräften in der Unternehmensleitung und im mittleren Management. Gemeinsam mit den Fach- und Hilfskräften in den Betrieben sind sie es, die den wirtschaftlichen Erfolg herbeiführen.

Die Anforderungen an die Führungskräfte haben sich im Zuge der Entwicklung der vergangenen dreißig Jahren allmählich aber sehr stark verändert. Sie müssen den Betrieb unter immer komplexer werdenden Bedingungen steuern. Die Märkte haben sich dramatisch geöffnet, der Druck auf Qualität und Produktivität ist enorm gestiegen, der Leistungsdruck auf alle Mitarbeiter in den Betrieb hat stark zugenommen. In dieser druckvollen, vielschichtigen, konfliktreichen Entwicklung ist es eine wachsende Herausforderung, einen Betrieb erfolgreich zu führen.

 

Führungskräfteschulung

 

Auf diesem Hintergrund wird seit vielen Jahren immer wieder diskutiert, welche Fähigkeiten Führungskräfte für die erfolgreiche Ausübung Ihrer Tätigkeit brauchen. Es werden Führungsstile propagiert und trainiert, besondere Eigenschaften gefordert und geschult, abwechselnd intuitive und verhaltenstechnische Schwerpunkte gesetzt, und v.a.m.. Phasenweise werden bestimmte Führungseigenschaften als besonders wertvoll erachtet: Die Entscheidungsfreude des ehemaligen Offiziers, dann wieder die Kooperationsfähigkeit, der Ausdruck eines besonderen Selbstbewusstseins durch nonverbale Kommunikation, eine Sensibilität und die softskills oder sogar die Bereitschaft, sich auf esoterische Erfahrungen einzulassen.

Dem entsprechend gibt es ein breit gefächertes Angebot für Fortbildung, Training und Coaching von Führungskräften. Es wird versucht, ihnen bestimmte Denkweisen und Verhaltensstrategien zu vermitteln, mit deren Hilfe sie bessere Führungskräfte werden sollen.

Vielleicht ist es sinnvoll, an dieser Stelle zu unterscheiden zwischen Führung und Management.

Führung kann beschrieben werden als die Aktivität eines Menschen, der einer Organisation oder Teil-Organisation und den Menschen darin Orientierung gibt, der der Organisation eine bestimmte Richtung und innere Struktur gibt oder diese verändert, der die Menschen dazu bewegt seinen Weisungen weitgehend freiwillig zu folgen und der damit Richtung, Struktur und Umsetzung einer Organisation prägt. Dieser Mensch organisiert sich den Rahmen, innerhalb dessen er den Gestaltungsraum für diese Aktivität hat, er kann ihn selbst schaffen oder ihn durch Karriereaufstieg besetzen.

Ein Mensch in leitender Stellung, der in einem gegebenen Rahmen mit relativ geringem eigenen Gestaltungsraum tätig ist und dessen wesentliche Leistung darin besteht, dass er in vorgegebenen Strukturen vorgegebene Weisungen umsetzt, kann als Manager bezeichnet werden. Allerdings ist die Grenze zwischen führen und managen fließend, je nach dem Gestaltungsspielraum, der der Führungskraft zur Verfügung steht oder den sie sich schafft.

 

Führung kann nicht gelernt oder trainiert werden

Für die Ausübung von Managementaufgaben ist es hilfreich, wenn man eine Reihe von Fertigkeiten und Techniken beherrscht, mit deren Hilfe Organisationen und Prozesse gesteuert werden können. Diese Fertigkeiten und Techniken werden in Schulungen, Trainings und Coachings vielfach erfolgreich vermittelt und ausgebaut. Ein Manager, der diese souverän beherrscht, kann ein wichtiges und wertvolles Glied in Teilbereichen einer Organisation sein.

Auch für einen Menschen, der im o.g. Sinne in einer Organisation Führung übernimmt, kann es sehr hilfreich - aber nicht immer notwendig - sein, wenn ihm selbst diese Techniken zur Verfügung stehen. Für seine Führungsaufgabe  braucht er darüber hinaus allerdings andere Voraussetzungen. Dazu gehören im Wesentlichen

- die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und zu gestalten,

- das Selbstbewusstsein, Orientierung und Richtung zu geben, 

- die Bereitschaft und Kraft, diese innerhalb und außerhalb der Organisation durchzusetzen,

- eine Authentizität und Glaubwürdigkeit als Person, 

- ein Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten und für das eigene Potenzial.

Diese Fähigkeiten können nicht in Schulungen, Trainings oder Coaching-Sitzungen erworben werden. Sie sind Teil der Persönlichkeit des betreffenden Menschen. Sie können durch ihn selbst entdeckt und ausgebaut werden, eine psychologische Begleitung kann dabei hilfreich sein.

Diese Eigenschaften machen es allerdings den Führungskräften und deren Umfeld meistens nicht leicht im Umgang miteinander. Gerade erfolgreiche Führungspersonen, die sich ihre Authentizität erhalten haben, gelten eher als schwierige Menschen, die schwer zu verstehen sind.

Siegen, im November 2013                Johann Schweißgut, Diplom-Psychologe

 Clipboard01
Führungspersönlichkeit