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Stress ist lebenswichtig


Stress ist in unserer Gesellschaft ein weit verbreitetes Phänomen. Das wurde in den Medien zuletzt wieder bestätigt. Dort wurde von Stress im Betrieb berichtet, nicht weniger häufig und heftig gibt es ihn aber im häuslichen, familiären Umfeld. Aber immer wieder wird die Frage gestellt, welche Möglichkeiten es gibt, Stress zu vermeiden, und wenn nicht, wie der betroffene Mensch damit umgehen kann. Denn es gilt die These, dass Stress nicht nur belastend ist, sondern dass er auch unter bestimmten Umständen in Krankheit münden kann.


Was ist Stress und wie entsteht er?


Generell ist Stress eine Reaktion, die bei Menschen und Tieren zu beobachten ist. Wenn ein Lebewesen in eine Gefahrensituation gerät, löst dies in seinem Körper eine hormonelle Reaktion aus mit der Folge, dass der Organismus in einen Zustand der Anspannung, Wachsamkeit und erhöhter Handlungsfähigkeit kommt. Das ist für das betroffene Lebewesen ein wichtiger positiver Effekt, denn es wird dadurch in die Lage versetzt, mit der Gefahr wirkungsvoller umzugehen: Die Wahrnehmung ist geschärft und es verfügt über mehr Energie für den Angriff oder die Flucht. Der Auslöser für den Stress, der Stressor, kann so verjagt oder verlassen werden und der Stress kann abklingen.


Bei Menschen können biologische, soziale oder psychische Auslöser oder eine Kombination davon zu Stress führen.

Biologische Stressoren sind solche, die das Leben und die körperliche Gesundheit gefährden. Soziale und psychische Stressoren können bestimmte Ereignisse am Arbeitsplatz oder im privaten Leben sein, die als bedrohlich wahrgenommen werden, oder es kann allein schon die subjektive Vorstellung sein, dass bestimmte bedrohliche Ereignisse eintreten könnten.


Aber immer kann man davon ausgehen, dass der Stresszustand durch hormonelle Ausschüttungen den Menschen in eine erhöhte Handlungsfähigkeit versetzt: Seine Wahrnehmung und Fähigkeit zur Einschätzung der Gefahr und des Risikos sind geschärft und es steht ihm zusätzliche Energie zur Verfügung, um in der Stress auslösenden Situation optimal handlungsfähig zu sein.


Manchmal kommt es vor, dass Menschen in bestimmten Stresssituationen für sich keine Handlungsoptionen mehr sehen, sei es auf der Grundlage realer Gegebenheiten oder aus subjektiver Wahrnehmung heraus. Dann wird der Menschen durch das Gefühl beherrscht, dass nichts hilft, weder angreifen noch fliehen noch stillhalten. Er sieht in dieser Situation keine Gestaltungs- und Wirkungsmöglichkeit für sich. Wenn dieser Zustand lange anhält, kann er tatsächlich zu einer Gefahr für die psychische und organische Gesundheit werden.


Wie kann Stress bewältigt werden?


Entscheidend ist, welche Haltung der Mensch dem Stress gegenüber einnimmt und welche Gestaltungsmöglichkeiten in der Stresssituation er für sich schaffen kann.


Der erste und wichtigste Schritt ist, sich darüber klar zu werden, dass Stress eine wichtige, hilfreiche, den Menschen stärkende Reaktion ist. Stress ist lebenswichtig. Ohne Stress würde der Mensch in Gefahrensituationen biologisch, sozial und psychisch vielen Bedrohungen nicht gewachsen sein. Wenn der eigene Stress positiv bewertet werden kann, dann entsteht die Möglichkeit, die darin enthaltene Energie für neue Lösungen zu nutzen. Dadurch wird auch generell die Resilienz, die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Stress gestärkt.


Der zweite Schritt sollte sein, zu untersuchen, welche Gefahr von der Stress auslösenden Situation für die betroffene Person ausgeht: Ist es eine reale Gefahr oder eine Gefahr, die die Person vor allem in ihrer subjektiven Vorstellung sieht? Wie groß ist die Gefahr wirklich? Ist die Krankheit wirklich unheilbar? Ist der Arbeitsplatz in Gefahr? Besteht tatsächlich die Gefahr, insolvent zu werden? Geht der Partner fremd und ist die Beziehung in Gefahr? Es gibt noch viele andere Bedrohungen, die zu einer Stress auslösenden Situation werden können.


Wenn eine reale Gefahr festgestellt wird, sollte man sich über den Stress freuen, denn er hat auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Und durch den Stress entsteht eine erhöhte Wachsamkeit und Energie, die Stress auslösende Situation zu verändern. Jetzt können Sie für sich klären, wie Sie mit der Gefahr umgehen wollen. Grundsätzliche können Sie angreifen (ein Gespräch suchen, verhandeln, streiten) oder fliehen (Arbeitsplatz bzw. Partner wechseln u. ä.) oder den bestehenden Zustand akzeptieren. Die allgemein menschliche und die fachliche Erfahrung haben gezeigt, dass das aktive Angehen der Probleme, also der „Angriff“, am ehesten zu einer Lösung führt. Wenn das nicht geht, kann man sich von dem Problem trennen, sich zurückziehen, oder es akzeptieren.


Nicht selten entsteht Stress allein dadurch, dass der betreffende Mensch immer wieder bestimmte Gedanken und Befürchtungen hat, die bei ihm Stress auslösen. Er kann die subjektive Befürchtung haben, dass der Chef ihn kündigt, wenn er seine ehrliche, kritische Meinung äußert. Oder er denkt immer wieder, dass seine Kollegen mit seinen Arbeitsergebnissen unzufrieden sind. Oder er erwartet ein bestimmtes, wohlwollendes Verhalten von seinen Kollegen und hat Stress, wenn diese sich anders verhalten. Die reale Situation sieht vielleicht in allen diesen Fällen ganz anders aus, so, dass es eigentlich keinen Grund für Stress gäbe. Aber die Gedanken und Befürchtungen können sich von der Realität ablösen und selbstständig machen. Es entsteht ein Teufelskreis im Kopf, der zu anhaltendem Stress führen kann.


Die Angst davor auszuprobieren, ob die eigenen Vorstellungen der Realität entsprechen, ist manchmal sehr groß. In dieser Situation kann es hilfreich sein, wenn man sich über die eigenen Vorstellungen Gedanken macht. Vielleicht kann man die Prioritäten anders setzen? Eine Arbeitsstelle zu haben und Geld zu verdienen kann ja wichtiger sein als das Verhalten der Kollegen. Oder eine Arbeit zu haben, die man gern macht, kann Vorrang haben vor der Ablehnung der Kollegen. Die Wertschätzung der privaten Freunde oder der Familie kann viel schwerer wiegen als die Missbilligung des Arbeitsteams. Und der Chef? Wenn er die falsche Entscheidung trifft, liegt das ja in seiner Verantwortung und nicht in der des Mitarbeiters.


Bei anhaltendem Stress ist die Stressreaktion doppelt wertvoll. Sie weist auf eine doppelte Gefahr hin: Zum einen auf die Gefahr oder die Gefahren, die in der Stress auslösenden Situation liegen, und zum anderen auf die Gefahr einer sozialen oder psychischen oder körperlichen Schädigung, wenn der Zustand so bleibt. Ein dauerhafter Stress pocht gewissermaßen ständig darauf, dass eine Unzufriedenheit oder ein Handlungsbedarf besteht. Wenn es gelingt, in dieser Weise den Stress positiv für sich zu bewerten, kann auch hier die darin liegende Energie für neue Lösungen genutzt werden und die Resilienz gestärkt werden. Es kann dann manchmal zu überraschenden Lösungen kommen.


Es kann aber auch Situationen oder Vorstellungen geben, die Stress auslösen, und die von dem Betroffenen nicht verändert werden können. Ein weiser Mann der Geschichte hat einmal gesagt, man solle immer prüfen, was man verändern kann und was man nicht ändern kann. Nicht immer steht es in der Macht des Menschen, die Verhältnisse kurzfristig oder auch langfristig zu ändern, dann bleibt nur das Annehmen der Situation, das Akzeptieren der bestehenden Verhältnisse.


Man kann diese Wege zum Umgang mit Stress durchaus für sich allein gehen und zu einem positiven Ergebnis kommen. Manchmal kann es aber auch sinnvoll sein, sich dafür eine professionelle Unterstützung zu holen.


Zugewinn an Resilienz und Selbstwirksamkeit


Langfristig gesehen ist es allerdings sinnvoll, die eigene generelle Widerstandkraft gegen Stress, die Resilienz stärken. Dadurch kann man bei sich die Anfälligkeit gegen Stress dauerhaft senken. Dazu haben sich unter anderem bewährt: Regelmäßige leichte sportliche Aktivitäten, vor allem Joggen; regelmäßige Entspannungsübungen wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Yoga; aber auch regelmäßig genügend Schlaf ist eine gute Grundlage. Das alles stärkt nicht nur die Resilienz, es erhöht auch die Selbstwirksamkeit des Menschen und damit sein Selbstvertrauen und seine Gelassenheit dem Leben gegenüber.

Andreas Hermsdorf pixelio.de